Die Militärmusik Niederösterreich

  • 07.08.2019
  • Musikalisches

Die Militärmusik Niederösterreich ist ein wichtiger Kulturträger und eine Fort- und Weiterbildungsstätte für die heimische Blasmusikszene, sowie Bindeglied zwischen der Bevölkerung und den Soldaten des Österreichischen Bundesheeres. Als die Militärmusik 1957 gegründet wurde, war sie neu und auch wieder nicht. Ihre Wurzeln lassen sich auf das im Jahr 1715 gegründete Infanterieregiment Nr. 49 zurückführen und ihre Auftritte erfreuen sich seit Jahrhunderten großer Beliebtheit.

Foto: Moeseneder

Wehrpflicht bzw. 1 Jahr freiwillige Verpflichtung

Die Militärmusik Niederösterreich ist ein symphonisches (Berufs-) Blasorchester und besteht zu zwei Drittel aus Grundwehrdienern oder Frauen, die sich für 13 Monate verpflichtet haben, und zu einem Drittel aus professionellen Musikern, die hauptberuflich als Registerleiter bei der Musik sind. Sie studieren entweder Musik oder haben bereits das Studium abgeschlossen und stehen so für die Jungen als geschulte Pädagoginnen und Pädagogen zur Verfügung.

Heute widmen sich die jungen Musikerinnen und Musiker nach der vierwöchigen Grundausbildung zwölf Monate ausschließlich der Musik, ihrer musikalischen Weiterentwicklung, und erhalten eine Ausbildung, die ihnen im Anschluss die Möglichkeit gibt, als Registerleiter, Kapellmeister oder als Solisten weiterzuarbeiten.

Jährlich im August beginnt der straffe Zeitplan, um das "neu" besetzte Blasorchester für Platzkonzerte und Angelobungsfeiern im September vorzubereiten. Zahlreiche Benefizkonzerte und der Nationalfeiertag stellen im Oktober die ersten Fixpunkte für den Einsatz der Militärmusik Niederösterreich dar.

Während der Weihnachtszeit sind die Musiker als Ensembles - vom klassischen Bläserquintett bis zur Big Band - im ganzen Land unterwegs und ab Jänner stehen bereits die Auftritte des Tanzorchesters auf dem Programm. Parallel dazu wird für das Frühjahrskonzert im Festspielhaus St. Pölten geprobt, welches eines der vielen musikalischen Höhepunkte darstellt. Von April bis Juni finden weitere Konzerte für karikative Zwecke statt, sei es für Hilfe im eigenen Land oder für öffentliche Institutionen und Körperschaften. Es werden zahlreiche militärische Feierlichkeiten begleitet und daher zählt die Militärmusik Niederösterreich pro Jahr weit mehr als 200 Auftritte.

Nach einem dichten Jahr, das mit vielen lehrreichen Erfahrungen endet, heißt es Abschied nehmen, um neue Wege zu gehen. Im August treffen die "neuen" und "alten" Musiker in der St. Pöltner Hesserkaserne aufeinander, da die eine Spielzeit endet und die Proben von Neuem beginnen.

Hoher Damenanteil im Orchester

Sehr erfreulich ist die Zusammensetzung der Militärmusik Niederösterreich. Kapellmeister Oberstleutnant Adi Obendrauf ist bekannt dafür, neue Wege zu gehen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass bereits 12 Damen (und 10 weitere haben die Aufnahmeprüfung auch schon bestanden) im Orchester spielen und Musikstudenten, die ihr Studium mit einer Praxis als Solisten bereichern möchten, ebenso dort Platz finden. Oberstleutnant Obendrauf trägt mit seiner Militärmusik dazu bei, dass sie weiterhin ein lebendiger Teil österreichischer Musikkultur bleibt und die Zusammenarbeit mit allen Kulturschaffenden hochgehalten wird.

Gemeinsame Sache

Die Militärmusik Niederösterreich nimmt schon immer rege am gesellschaftlichen Leben teil und sucht aktiv den Kontakt zur Bevölkerung. Das geschieht zusätzlich durch verschiedene Kooperationen, die mit den unterschiedlichsten Institutionen, sei es der Blasmusikverband, das Musikschulmanagement oder die Volkskultur Niederösterreich bestehen.

Seit 2018 findet der neue Dirigierlehrgang "C" des Niederösterreichischen Blasmusikverbandes mit der Militärmusik Niederösterreich als Kursorchester in den Räumlichkeiten des großen Musikgebäudes der Hesserkaserne St. Pölten statt. Als Hauptdozent konnte der international tätige Dirigent und Professor an der Universität für Musik in Maastricht Jan Cober aus den Niederlanden gewonnen werden. Sechs aktive bzw. über 30 passive Teilnehmer konnten bis zum Abschlusskonzert mit dem Militärorchester arbeiten bzw. Erfahrungen sammeln. Jan Cober über das Orchester:

"Die Bekanntschaft mit der Militärmusik Niederösterreich war eine sehr angenehme Überraschung. Musikalische Hochleistung, große Disziplin und fantastischer Einsatz über viele Stunden waren großartige Qualitäten. Das Orchester hat sich in den letzten Jahren in ein berufliches Niveau mit einer ausgezeichneten Attitüde entwickelt. Es ist ein wertvoller Teil des Österreichischen Bundesheeres und ein Beispiel für die Blasmusik."

Viele weitere Aktivitäten, wie zum Beispiel der Stabführerkurs des Österreichischen Blasmusikverbandes mit der Militärmusik Niederösterreich als Marschorchester, die praktischen Prüfungen zum Leistungsabzeichen oder die Durchführung des größten Jugend-Musikwettbewerbes der Musikschulen Österreichs „prima la musica“ in den Räumlichkeiten des Orchesters runden die Kooperationen der Militärmusik Niederösterreich ab.

Für den Kapellmeister Oberstleutnant Adi Obendrauf und die Mitglieder der Militärmusik Niederösterreich ist es eine Verpflichtung, sich als Dozenten oder Musiker zur Verfügung zu stellen, da "wir alle ja aus einer Blasmusikkapelle   kommen". Mit entsprechend viel Elan sind sowohl Berufs- als auch Amateurmusiker bei der Sache und schaffen so ein echtes "Win-win-Modell"

www.militaermusiknoe.at

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