Hintergründe näher gebracht - Interviewreihe zum Deutschen Musikfest 2019 in Osnabrück

  • 18.09.2018
  • Sonstiges

Beim Deutschen Musikfest 2019 sind unter den teilnehmenden Formationen auch rund 100 Spielleuteformationen zu Wertungsspielen und Auftritten vertreten. Ihr wichtigster Programmpunkt ist die "5. Offene Deutsche Meisterschaft der Spielleutemusik". Im Interview spricht Ralf Subat, Bundesmusikdirektor der BDMV, Fachbereich Spielleutemusik, zu Inhalten des Programms der Spielleutemusik beim DMF, Schwerpunkten der Arbeit im Fachbereich Spielleutemusik der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände e.V. und seine Vorstellung zu Chancen in der Zusammenarbeit von Bläser- und Spielleutemusik.

Herr Subat, lieber Ralf, das wievielte DMF wird es in Osnabrück sein, an dem du teilnimmst?

Osnabrück wird, so hoffe ich es, mein erstes Deutsches Musikfest sein. 2013 in Chemnitz bin ich am ersten Tag schwer erkrankt und konnte erst nach 1,5 Jahren meine Arbeit im Berufsleben und in der BDMV wieder aufnehmen.

In der schweren Zeit meiner Krankheit begleitete die Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände (BDMV), insbesondere Michael Weber, erster Vizepräsident der BDMV, meine Familie und mich und stand uns stets zur Seite. Viele haben dazu beigetragen, dass ich heute wieder mit vollem Einsatz dabei sein kann und ich freue mich riesig auf Osnabrück.

Das Osnabrücker DMF ist das zweite, das du als Bundesmusikdirektor vorbereitest und bei dem eine Deutsche Meisterschaft der Spielleutemusik stattfindet. Wo liegen die Herausforderungen bei den Vorbereitungsarbeiten in Osnabrück?

Für mich als einer der Programmverantwortlichen liegt die besondere Herausforderung darin, die Wettbewerbe, Konzerte und Workshops sinnvoll zu gestalten und ein vielfältiges Rahmenprogramm, welches sowohl Teilnehmende als auch Zuschauende anspricht, zu organisieren.

Vor allem freue ich mich, in Osnabrück wieder eine Weiterentwicklung der Spielleutemusik in allen musikalischen Bereichen mit all ihren Möglichkeiten präsentieren zu können. Die Spielleutemusik hat inzwischen eine sehr hohe Anerkennung in all ihren Facetten erlangt. Mit Sicherheit wird sie auch in Osnabrück viele neue Freunde gewinnen können und bisherige Kritiker überzeugen.

Basis für ein gelingendes Fest ist eine gute Organisation. Du vertrittst den Bereich Spielleutemusik in den zentralen Organisationsgremien, so im Lenkungskreis. Welches Kollegium unterstützt dich bei der Programmarbeit für die Spielleute?

Im Fachbereich Spielleutemusik arbeiten wir gleichberechtigt in einem Leitungsteam mit zum Teil fester Aufgabenverteilung. Meine Stellvertreter sind Frank Bott (Wettbewerbe und Juroren, Bundesspielleutezentrum), Dieter Buschau (Marsch & Show, WAMSB), Ramona Holtkamp (Literaturkommission und Wertungsspiele) und Hermann Dirscherl (Fortbildungen, Workshops, BNO). Kay Prieß als Vizepräsident der BDMV begleitet uns stetig bei unserer Arbeit und unterstützt mich im Präsidium.

Das Organisationsbüro und Jan Mons, Fachbereichsvertreter aus der Region, unterstützen uns bei Fragen und klären Probleme vor Ort.

Zusätzlich arbeitet in unserem Team derzeit Jan Schillings als Projektleiter für unseren "VIRTUAL FLUTE CHOIR – VFC" mit. Auf das Ergebnis dieses innovativen Projektes bin ich heute schon gespannt. Der VFC soll bereits vor Osnabrück Teilnehmende zum Mitmachen anregen, wird während des Musikfestes präsentiert und steht nach dem Deutschen Musikfest als Präsentation zur Verfügung.

Eure Spielorte für die Wettbewerbe, Showwettkämpfe, Konzerte müssen besonderen Anforderungen genügen. Wann ist ein Spielort für euch geeignet?

Im Bereich der Spielleutemusik müssen wir zwei grundverschiedene Voraussetzungen schaffen.

Für die Konzertwertungen müssen die Spielorte über eine gute Akustik, große Bühnen bzw. Flächen und Zuschauerkapazitäten verfügen. Außerdem müssen an einem Tag meist mehr als 20 Orchester auf- und abbauen, welches logistische Rahmenbedingungen erfordert. Nicht zu vergessen sind auch die Vorbereitungs- bzw. Einspielräume. Alles zusammen ist schwierig zu gewährleisten, so dass Prioritäten gesetzt werden müssen.

Für die Marsch- und Showwertungen sowie den Entertainmentbereich sind große Flächen, auch mit Vorbereitungs- und Einspielflächen auf Nebenplätzen, erforderlich. Ein Stadion eignet sich optimal für diese Darstellungsformationen.

Daher freuen wir uns bereits auf Osnabrück, weil wir dort sehr viele für uns bestens geeignete Möglichkeiten vorfinden.

Ihr erwartet mehr als einhundert teilnehmende Formationen. Im Internet ist die Liste: "qualifizierte Vereine" hinterlegt. Wer kann sich wie qualifizieren, um am DMF teilnehmen zu können?

Jeder Verein, der einem Musikverband angehört, kann in einer der angebotenen Besetzungsgruppen bzw. Darstellungsformen an einem Qualifikationswettbewerb teilnehmen und sich für die Teilnahme an der 5. Offenen Deutschen Meisterschaft qualifizieren. Dieses ist derzeit in allen Besetzungsgruppen der Konzertwertung (A) und in der Marschmusikwertung (B1) der Fall. Um Zuschauern und Teilnehmern ein hochklassiges Teilnehmerfeld zu präsentieren, hat sich die vorherige Qualifikation bewährt.

Für alle weiteren Darstellungsformen der Marsch- und Standspielwertung (B2), Marschparade (C1), Show (C2), dem Demonstrationswettbewerb Drum-Battle (C3) und Entertainment (D1) und Schalmeien-Contest (D2) ist derzeit noch keine Qualifikation erforderlich. Auch laden wir zu den vorher genannten Darstellungsformen immer wieder die Vereine des Fachbereichs Blasmusik zur Teilnahme mit ein und wünschen uns, viele Vereine begrüßen zu können.

Also sind Qualifikationswettkämpfe bezogen auf Reglement und Leistungsansprüche wie vorgezogene Meisterschaften?

Nein! Qualifikationswettbewerbe finden auf regionaler Ebene in den Mitgliedsverbänden statt und werden bis zu zwei Jahre vor den Deutschen Meisterschaften, die alle drei Jahre stattfinden, durchgeführt. Dabei ist es erforderlich, die vom Fachbereich festgesetzten Mindestpunktzahlen zu erreichen. Qualifikationswettkämpfe dienen zusätzlich zur eigentlichen Standortbestimmung der Leistungsfähigkeit des teilnehmenden Vereins. Einige Mitgliedsverbände erweitern ihre Verbandsmeisterschaften um einen Qualifikationswettbewerb. Dadurch erhalten sie den Vorteil, dass es nicht nur einen Verbandsmeister zu feiern gibt, sondern auch alle anderen Vereine, die sich für die Deutsche Meisterschaft qualifiziert haben.

Und das heißt – ohne Qualifikation keine Teilnahmemöglichkeit beim DMF in Osnabrück?

Nein! Neben den Deutschen Meisterschaften bietet der Fachbereich Spielleutemusik auch reine Wertungsspiele an. Dort präsentieren sich die Vereine einer qualifizierten Jury auf ihrem selbst gewählten Leistungsniveau und erhalten dafür ein entsprechendes Leistungsprädikat und ein umfassendes persönliches Beratungsgespräch.

Gemeinsam mit dem Fachbereich der Blasmusik wird auch ein Wertungsspiel in der Marschmusikwertung angeboten.

Viele Vereine wollen sich aber keinem Wettbewerb bzw. Wertungsspiel stellen. Auch diese Vereine sind herzlich willkommen. Osnabrück bietet viele Präsentationsmöglichkeiten für Konzerte und Formationsdarbietungen an verschiedensten Orten.

Ich freue mich auf alles, was das Deutsche Musikfest bereichert!

Für interessierte Vereine: Welche Qualifikationsmöglichkeiten gibt es 2018 noch, um sich für die Teilnahme am DMF zu bewerben?

Auf der Homepage zum Deutschen Musikfest unter Teilnehmen/Qualifikation haben wir die Qualifikationstermine, Orte und die dazugehörigen Ansprechpartner eingestellt. Wer sich allerdings noch qualifizieren möchte, muss jetzt kurzentschlossen sein. Es gibt nur noch wenige Qualifikationswettbewerbe. Einige davon können sogar aus Kapazitätsgründen keine Teilnehmer mehr annehmen.

Die BDMV kommuniziert oft den hohen Anteil Jugendlicher in den Vereinen? Wie steht's bei euch? Welche Nachwuchsarbeit leisten die Verbände und Vereine im Bereich Spielleutemusik?

Erfreulicherweise kümmern sich die Vereine verstärkt um Nachwuchs und bieten zurzeit sehr professionelle Ausbildungen in allen Instrumentalbereichen an. Die Landesverbände fördern dieses mit der Durchführung von vereinsübergreifenden Fortbildungsmöglichkeiten. Darüber hinaus werden auch alle Wettbewerbe auf Bundesebene explizit für Jugendzüge angeboten und schaffen den entsprechenden Anreiz.

Weiterhin wird künftig eine noch intensivere Zusammenarbeit des Fachbereichs Spielleutemusik und der Deutschen Bläserjugend (DBJ) möglich sein, da Ramona Holtkamp, stellvertretende Bundesmusikdirektorin Spielleutemusik, in den Vorstand der DBJ gewählt wurde.

Du hast alle fünf Musikfeste miterlebt – jedes war anders, welche Höhepunkte und Besonderheiten wird Osnabrück für dich haben?

Nein! Noch keins! Aber ich habe dafür 3 von bisher 4 Deutschen Meisterschaften organisiert und, bis auf 2013 aus gesundheitlichen Gründen, auch durchgeführt.

Generell besondere Höhepunkte herauszuheben fällt mir schwer, weil alle Veranstaltungen immer wieder etwas Besonderes geboten haben. Eindrucksvoll bleiben von allen Veranstaltungen immer wieder die Siegerehrungen in Erinnerung. Wenn Musiker nach langer Vorbereitungszeit ihren Erfolg gemeinsam mit allen anderen Musikern feiern können, auch wenn es mal nicht zum erhofften Ergebnis gereicht hat, ist es immer ein tolles Erlebnis. Nach so einer Veranstaltung weiß ich immer, warum ich die Arbeit im Vorfeld gern übernehme.

Auch durch deine Arbeit, Ralf, haben Spielleute und Blasmusiker in der BDMV in ihrer musikalischen Arbeit enger zusammengefunden. Ein Beispiel beim DMF 2019 ist das erstmals stattfindende gemeinsame Wertungsspiel Marschmusik für Blas- und Spielleuteformationen. Was wünschst du dir in der Zukunft für die Zusammenarbeit der beiden Fachbereiche?

Sehr erfreulich ist, dass die Kommunikation zwischen den beiden Fachbereichen gut funktioniert. Heiko Schulze, Bundesmusikdirektor Blasmusik, und ich tauschen uns zu vielen Themen aus. Die Arbeit der Fachbereiche hat in den letzten Jahren gegenseitig deutlich an Akzeptanz gewonnen.

Natürlich haben Blas- und Spielleutemusik jede für sich Vielfältigkeit zu bieten. Zumeist ist es doch auch so, dass nicht jeder klassische Musik, Rockmusik oder gar Heavy Metal zugleich mag. Das hat aber nichts mit Akzeptanz, sondern mit Geschmack zu tun.

Ich möchte aber auch sagen, dass die Schnittstellen der beiden Fachbereiche durchaus noch Potential für einen Ausbau der Zusammenarbeit bieten.

Beispielsweise werden Schlagzeuger sowohl in der Spielleutemusik als auch in der Blasmusik eingesetzt. Auch die Szene der reinen Schlagzeugensembles entwickelt sich stark weiter. Hier werden wir beim Thema Fortbildung eng zusammenarbeiten und uns unterstützen können.

Zudem hat der Spielleutebereich in Sachen Musik in Bewegung bereits viel Erfahrung durch seine aktive Tätigkeit gewonnen und hat viele praxisnahe Angebote geschaffen. Somit ist auch hier die Möglichkeit für gemeinsame Aktivitäten und Anstrengungen gegeben. Ich freue mich auf die weitere gute Zusammenarbeit.

Ralf – vielen Dank für unser Gespräch, bleib' fit und erlebe in Osnabrück mit uns allen ein großartiges Deutsches Musikfest!

www.bdmv-online.de

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