Festakt für die neue Geschäftsführerin der Sächsischen Bläserphilharmonie

  • 02.07.2018
  • Musikalisches

Seit 2016 kennt sie als Orchesterdirektorin "ihr" Ensemble mit allen Erfolgen und Glücksmomenten, aber auch dessen kleine und größeren Sorgen. Gabriele Hegner (54), die ihre neue Position im April 2018 von Heiko Schulze übernommen hatte, wurde am 23. Juni in einem Festakt als Geschäftsführerin der Sächsischen Bläserphilharmonie und der Deutschen Bläserakademie eingeführt.

v.l.n.r.: Landrat Henry Graichen, Bürgermeister Michael Hultsch, 1. Beigeordnete und Kuratoriumsmitglied Ines Lüpfert, Kuratoriumsvorsitzender Joachim Czichos, Staatsministerin Dr. Eva-Maria-Stange, Chefdirigent Prof. Thomas Clamor, Geschäftsführerin Gabriele Hegner, Bürgermeister a. D. und Kuratoriumsmitglied Josef Eisenmann, Kuratoriumsmitglied Dr. Judith Thiele, Landrat LK Nordsachsen a. D. und Kuratoriumsmitglied Michael Czupalla, Generalsekretär des Deutschen Musikrates und Präsident des Deutschen Kulturrates Prof. Christian Höppner, Präsident Jeunesses Musicales Deutschland e. V. Dr. Ulrich Wüster (Foto: Stefanie Schennerlein)

Nach der Begrüßung durch Michael Hultsch (Bürgermeister von Bad Lausick) traten Staatsministerin Dr. Eva-Maria Stange (Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst), Henry Graichen (Landrat des Landkreises Leipzig), Prof. Christian Höppner (Generalsekretär des Deutschen Musikrates / Präsident des Deutschen Kulturrates)und Dr. Ulrich Wüster, (Generalsekretär Jeunesses Musicales Deutschland) an das Rednerpult.

Bei diesem Festakt ging es auch um Emotionen. Nicht nur aus dem Publikum, wenn eine Frau beim anschließenden Empfang von ihrer inneren Bewegung bei Auftritten des Orchesters spricht. Im Kurzinterview mit Franziska Franke-Kern (Accolade PR) erzählt Gabriele Hegner, wann ihr die innere Verbindung mit dem Orchester bewusst wurde. "Liebst du uns denn?", hatte die Flötistin Claudia Scheibe sie vor einigen Monaten gefragt. So eine Frage fordert und auf sie kann man nicht lügen.

Diese Position ist tatsächlich eine außergewöhnliche Herausforderung, selbst wenn man einen langjährigen Erfahrungshintergrund als Fagottistin und Kulturmanagerin mitbringt wie Gabriele Hegner. Die Sächsische Bläserphilharmonie hat als Nachfolgeinstitution des 1950 in der ehemaligen DDR gegründeten "Rundfunk Blasorchester Leipzig" eine rasante Geschichte: Reformen, Personalabbau, Neuorientierungen. Trotzdem meisterte sie die schwierige Zeit in den Jahren nach der Wiedervereinigung, positionierte sich nachdrücklich mit einem einmaligen Profil und gewann ordentlich Schwung. Solidarität und Kollegialität, dann der2011 in Besitz genommene Neubau glichen die im Vergleich zum Flächentarifvertrag wesentlich niedrigere Entlohnung aus.

Doch jetzt ist ein Ende der ganz mageren Jahre in Sicht: Von den zusätzlichen 40 Millionen Euro für Kultur im Freistaat Sachsen, von denen 28 Millionen in den laufenden Betrieb der nächsten vier Jahre fließen werden, fällt auch für die Sächsische Bläserphilharmonie und die Deutsche Bläserakademie etwas ab.

Landrat Henry Graichen bekräftigt, dass er die Doppeleinrichtung für einen ganz wesentlichen Faktor der touristischen Erschließung des Landkreises Leipzig hält. Er setzt stark auf das synergetische Potenzial von Kultur, Region, Wirtschaft und die dadurch wachsende Ausstrahlung. Dazu gehören auch das um eine erfolgreiche Anrechtsreihe in Trebsen und demnächst noch eine weitere in Oschatz erweiterte Konzertangebot, Kooperationen mit regionalen Firmen wie ein Konzert im Kraftwerk Lippendorf am 11. Mai 2019 und die Verdichtung der Kulturvermittlung mit Projekten wie dem Integrationstag Grimma 2016. Die Erwartungshaltung an die Sächsische Bläserphilharmonie ist hoch und man spürt die aus Erfahrungen genährte Energie der neuen Geschäftsführerin.

Eine ganz wichtige Anregung, die sich fast zwangsläufig aus der Förderung durch das Programm "Exzellente Orchesterlandschaft Deutschland" ergibt, formuliert Prof. ChristianHöppner. Die Sächsische Bläserphilharmonie erhält Fördermittel für die Kulturvermittlung,die Erschließung neuer Besuchergruppe vor allem in ländlichen Gebieten und die Erweiterung des musikalischen Repertoires.

Höppner empfiehlt mit Nachdruck eine Bewerbung zum EU-Kulturbotschafter. Die Sächsische Bläserphilharmonie erfülle durch soziokulturelle Vernetzung, Programmgestaltung und ihre Besetzung als einziges deutsches Kulturorchester in reiner Bläserbesetzung dafür alle Voraussetzungen.

Chefdirigent Thomas Clamor will den von Jugendprojekten aus Venezuela mitgebrachten Kontakt zu "Jeunesses musicales" verdichten. Dr. Ulrich Wüster bekennt sich, gegen das akademische Primat der Spieltechnik, zu einem erlebnisorientierten Musizieren, das Sinnes- und Gemeinschaftserfahrungen stärkt. In der Musikpädagogik soll die Bewältigung von Schwierigkeiten zum beglückenden Erlebnis führen. Was damit gemeint ist, erlebt man in der musikalischen Umrahmung des Festaktes mit virtuosen Opern-Highlights und vor allem einem bewegenden Kabinettstück: Die Sächsische Bläserphilharmonie hat neben dem lauten Glanz auch ganz feine, leise, von innen vibrierende Töne.

Klaus-Peter Bruchmanns "Crescendo" klingt wie ein Flirt mit Rumba-Rhythmen und pulsierender Wärme. Solche glänzenden Visitenkarten für Klassik, gehobene Unterhaltung und musikalische Moderne verteilt Thomas Clamor sehr gerne.Im Gespräch von Gabriele Hegner mit Franziska Franke-Kern ist viel von Aufbruch,Optimierung und Erweiterung der Musik- und Lehrveranstaltungen die Rede. Mehr heißt hier tatsächlich mehr. Denn jedes neu dazukommende Konzert im Kurpark-Pavillon Schmetterling, im Gewandhaus Leipzig, in Borna oder auf großen Gastspielreisen stärkt nicht nur das Orchester mit über dreißig Musikern, sondern auch das Image von dessen StandortBad Lausick.

Die Deutsche Bläserakademie, in der die Orchestermusiker unterrichten, ist eines der wichtigsten Foren der zwischen Kunst- und Volksmusik schillernden Sparte für Berufs- und Laienmusiker. Hier werden Prüfungen abgelegt. Hier treten Studierende aus Matthias Foremnys Dirigentenklasse an der Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn Bartholdy" und anderer Kunsthochschulen zum allerersten Mal vor ein professionelles Orchester. Staatsministerin Dr. Eva-Maria Stange weiß natürlich, dass wiejedem Anfang auch der Zukunft der Sächsischen Bläserphilharmonie ein Zauber innewohnt.

Falls sie doch noch minimale Zweifel haben sollte, werden diese von Christian Höppner zerstreut. Er hat für die Deutsche Bläserakademie einen bemerkenswerten Wunsch: "Ineinigen Jahren ist der Aufenthalt in der Deutschen Bläserphilharmonie Bad Lausick ein Mussfür alle, die ein Blasinstrument studieren oder auf einem solchen mit künstlerischemAnspruch musizieren."

Mit diesem Festakt wächst die Aufmerksamkeit aus der Politik und den Fachszenen erneut,erst im November hatte Bundepräsident Frank-Walter Steinmeier das Orchester auf seiner Sachsen-Reise besucht. Am 8. und 9. September spielt die Sächsische Bläserphilharmonie beim Bürgerfest des Bundespräsidenten auf Schloss Bellevue und dem Schlosspark in Berlin,am 1. Dezember in der großen Halle der TDE Mitteldeutsche Bergbau Service GmbH. Gabriele Hegner hat sich für die nächsten drei Jahre ihrer Amtszeit zwischen solchen Eckpfeilern viel vorgenommen. Nicht nur dieser Festakt verpflichtet, sondern vor allem auch ihre eigenen hohen Ansprüche.

www.saechsische-blaeserphilharmonie.de

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