Musikalisches Farbenspiel zum Advent

Großer Klangkörper: Cannstatter Bläserkreis und Treffpunkt-Chor

Cannstatter Bläserkreis und Treffpunkt-Chor beim gemeinsamen Adventskonzert Hora Caecilia in der voll besuchten Liebfrauenkirche bewegte und berührte Vereinskonzerte gibt es vor allem zur Weihnachtszeit viele – und die Ansprüche der Zuhörer sind wie das Vorgetragene bei selbigen Konzerten oft auch auf entsprechendem Laien-Niveau. Was aber der Cannstatter Bläserkreis unter seiner Dirigentin Anette Bantel hier als Adventskonzert bot hatte für die Konzertbesucher schon den Charakter von professioneller Musik. Knapp 50 Musiker - mit für Musikvereine durchaus exotischen Instrumenten wie Oboe, Bassklarinette oder auch Kirchenorgel besetzt – ließen in der Liebfrauenkirche die sprichwörtlichen biblischen „Posaunen von Jericho“ alt aussehen. Zusammen mit dem Treffunkt-Chor Bad Cannstatt, geleitet von Andrea Dikel, hatte sich der Bläserkreis auf musikalisches Neuland begeben und zwei Stücke für Chor und Orchester erarbeitet. Beim Treffpunkt-Chor singen ausschließlich Menschen mit Behinderungen, und dieses gemeinsame Musizieren, welches schon im Vorfeld angekündigt worden war, ließ Spannung aufkommen, welche am Schluss des Konzerts in gemeinsame Freude an der Musik überging. Für die Konzertreihe „Hora Caecilia“ der Liebfrauenkirche ist ein solches Konzert eines großen Blasorchesters eine Bereicherung, die gerne und gut angenommen wurde. Die Kirche war zum Konzert voll besucht, hätte es Eintritt gekostet müsste man von „ausverkauft“ sprechen. Roter Faden des Konzerts mit dem Titel „Musikalisches Farbenspiel zum Advent“ waren Klangfarben, die Komponisten in Ihre Stücke hineinkomponieren so wie Maler ihre Bilder mit Farben versehen. Dirigentin Anette Bantel moderierte an diesem roten Faden durch das Konzert und half so den Zuhörern, das musikalisch Dargebotene als farbige Bilder zu interpretieren. Die vorgetragenen Stücke waren eine kurzweilige und bunte Mischung über mehrere Jahrhunderte Musikgeschichte, von einem für Blasorchester bearbeiteten barocken Titel bis hin zu bewusst schrägen Variationen über deutsche und amerikanische Weihnachtslieder sowie weitere zeitgenössische Werke. Das Orchester als Gesamt-Klangkörper hat sich – treue Konzertbesucher werden es bemerkt haben – nochmals weiterentwickelt und egal ob Tutti oder Soli gespielt werden, Dirigentin Bantel kann sich auf Ihre Musiker verlassen wie ein Organist, der seine Register zieht. Highlight des Konzerts war sicherlich das zusammen mit dem Treffpunkt-Chor vorgetragene Stück „Vom Dunkel ins Licht“ des zeitgenössischen Komponisten Kurt Gäble. Eine ins heutige Stuttgart verlegte Weihnachtsgeschichte, in der Jesus einem behinderten Paar eine Stippvisite abstattet und dabei auch schon mal mit der U-Bahn fährt, entstand in der Schreibwerkstatt der Caritas Stuttgart aus den Federn der Chormitglieder. Abwechselnde Instrumentalstücke, Chorstücke zusammen mit dem Orchester und Geschichtsteile ergaben in Summe bewegende Momente und Einblicke in das Weihnachtsverständnis behinderter Mitmenschen. Vorgetragen wurde die Geschichte souverän von Diana Hassel und Sandra Wahl. Für den Cannstatter Bläserkreis ging mit diesem Konzert sein 40-jähriges Jubiläumsjahr zu Ende, wie die Vorsitzende Stefanie Rösch in ihrer Begrüßungsrede zu Anfang kurz berichtete. Zwei große Konzerte - das Jubiläumskonzert im Frühjahr im Cannstatter Kursaal und das jetzt vorgetragene Kirchenkonzert zur Weihnachtszeit - waren die musikalischen Glanzpunkte für Musiker und Zuhörer im Jahr 2014. Mit einem solchen Konzerterfolg im Rücken darf man gespannt sein an was für Themen sich der Verein und seine Dirigentin im Jahr 41 ihres Bestehens wagen werden.

Information

Verfasser: Cannstatter Bläserkreis Datum: 17.12.2014 09:19 Webseite: http://www.cannstatter-blaeserkreis.de

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