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Symposium für Barocktrompete

Symposium für Barocktrompete Eingebunden in die „Tage Alter Musik 2009“ unternahm die Hochschule für Musik Nürnberg, in Zusammenarbeit mit dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, eine musikalische Zeitreise der besonderen Art. Mit einem international hochkarätig besetzten „Symposium für Barocktrompete“ knüpfte man  an eine Zeit an, in der die virtuose Kunst des Clarin-Blasens ihre stärkste Entfaltung erfuhr und Nürnberg das europäische Zentrum für den Bau hochwertiger Trompeten war.

Wie es dazu kam und warum gerade Nürnberg im 16. und 17. Jahrhundert als „Welthauptstadt des Trompetenbaues“ galt, war nur eine der vielen Fragen mit der man sich beschäftigte, und gleichzeitig aber  auch einer der Beweggründe, weshalb man auf die Idee kam, ein derartiges Symposium gerade in Nürnberg durchzuführen.

Den festlichen Auftakt zur Veranstaltung, die unter der Schirmherrschaft von OB Dr. Ulrich Maly stand, bildete ein „Trompetissimo-Konzert“ im vollbesetzten Aufseßsaal des Germanischen Nationalmuseums - gestaltet durch das Clarini Trompetenconsort (Den Haag) unter der Leitung von Susann Williams, sowie dem Trompetenensemble der renomierten Schola Cantorum Basiliensis (Basel) unter Führung von  Jean Francois Madeuf. Das Programm folgte mit Kompositionen beispielsweise von Jean Fery Rebel, Danican Philidor, Heinrich Ignaz Franz Biber oder Johann Ernst Altenburg, den Spuren des Trompetenspiels über drei Jahrhunderte, wie es an den europäischen Königs- und Kaiserhöfen üblich war. Das Konzert wurde vom Studio Franken des Bayerischen Rundfunks aufgezeichnet.

Am darauffolgenden Tag stand nun ganz das historische Instrument und dessen Herstellung im Mittelpunkt von Vorträgen, Diskussionen und Führungen. Dr. Daniel Hess, stellvertretender Direktor des GNM und Prof. Siegfried Jerusalem, Präsident der Hochschule für Musik, begrüßten dazu die Symposiumsteilnehmer im Ausstellungsraum der Sammlung historischer Musikintrumente des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg.

Für den Teilnehmerkreis, der sich aus Instrumentenbauern, Musikern, Diplomrestauratoren und Musikwissenschaftlern zusammensetzte, bildete die unmittelbare Nähe zu den wertvollen Exponaten Alter Meister (wie Johann Wilhelm Haas, Sebastian Hainlein oder Johann Leonhard Ehe), den idealen Rahmen für die folgende Vortragsreihe, die durch den Leiter der Sammlung, Dr. Frank Bär eröffnet wurde, in dem er der Frage nach ging, „Welche Bedingungen die Freie Reichsstadt für die Rolle als  bedeutendes Herstellungszentrum prädestinierten“. Daran anknüpfend ging Herr Karl Hachenberg in seinen Ausführungen auf die Gewinnung des Werkstoffes Messing und dessen Weiterverarbeitung in den Hammerwerken der damaligen Zeit ein. Als Basis diente u.a. eine bisher unveröffentlichte 180seitige Handschrift aus dem Jahre 1715, sowie Ergebnisse aus Werkstoffuntersuchungen. Diplomrestaurator Markus Raquet vom GNM, erläuterte die Anwendung historischer Arbeitstechniken und klanggebenden Faktoren bei der Rekonstruktion historischer Instrumente.
                                                
Er stellte dar, wie technologischen Untersuchungen in der Museumsarbeit einen wesentlichen Beitrag für den modernen Kopienbau leisten. Im Anschluß an seinen Vortrag, führte Markus Raquet die Anwesenden durch die historische Instrumentensammlung, gab Erläuterungen zu den einzelnen Objekten und ging auf Fragen ein.

Nach der Mittagspause war es Michael Münkwitz aus Rostock, der eine spannende Geschichte im Zusammenhang mit dem Fund einer original Birkholtz-Trompete von 1650 in einer Dorfkirche in Mecklenburg, zum Inhalt seines Referates hatte. Michael Münkwitz , selbst Instrumentenbauer, beschäftigt sich seit Jahrzehnten intensiv mit Barocktrompeten. In einem kleinen feierlichen Akt übergab er das Original und die durch ihm, in traditioneller kunsthandwerklichen Art gefertigten Kopie an Dr. Bär vom GNM.

Mit den Aussagen Johann Ernst Altenburgs über den Gebrauch von Trompeten und seinen Thesen zu akustischen Untersuchungen im 18. Jahrhundert, setzte sich einer der Pioniere im modernen Trompetenbau, Rainer Egger aus Basel, in seinen Ausführungen auseinander. Er schilderte seine Erkenntnise aus dem Experimentieren mit Mensuren, Materialien und Wandstärken. Seinen akustische Berechnungen stellte er die Untersuchungen Altenburgs gegebüber und machte deutlich, welchen entscheidenden Einfluß die Wahl des Mundstücks hat.

Als letzter Referent des Tages ging der renommierte Musiker und Instrumentenbauer Graham Nicolson aus Den Haag auf die Ergebnisse seiner Forschungen bezüglich der Beschaffenheit einer kreisförmig gewundene Trompete, wie sie bspw. Gottfried Reiche (1667-1734) spielte, ein. An Hand zahlreicher Bilder und Berechnungen, skizzierte Nicolson die Schwierigkeiten im Nachbau des Corno da tirarsi,

„Was bringt uns heute die Beschäftigung mit historischen Instrumenten“ so lautete die Frage mit der sich das abschließende Podiumsgespräch beschäftigte. Zur Runde der Fachreferenten des Vor- und Nachmittags gesellten sich nun auch die Dozenten der Meisterklassen. Danach beendete Dr. Frank Bär den fachtheoretischen Teil des Symposiums am Germanischen Nationalmuseum.

Für den weiteren Verlauf  wechselte man an die  Hochschule für Musik in der Veilhofstraße.  Im dortigen Kammermusiksaal erfolgte noch am Abend die Einteilung der Trompetenensembles durch Herrn Groth von der Musikhochschule, einer der Hauptorganisatoren.

Die restlichen zwei Tage standen nun im Zeichen des Musizierens. Die aus ganz Europa angereisten Diplommusiker und Musikstudenten widmeten sich der Verbesserung Ihrer Spieltechnik, bzw. arbeiteten an stilistischen Details und der Interpretation verschiedener Werke. Die eingerichteten Meisterklassen und angebotene Workshops fanden reges Interesse. Mit Susan Williams, künstlerische Leiterin des Clarini Trompetenconsorts (Den Haag), Ute Hartwich, Akademie für Alte Musik (Berlin), Jean-Francois Madeuf, Schola Cantorum Basiliensis (Basel) und Philip Tarr, Schola Cantorum Basiliensis (Basel), standen vier ausgewiesene Fachleute auf Ihrem Gebiet zur Verfügung.

Mit großem Engagement und aus ihrem ganzen Erfahrungsschatz schöpfend, vermittelten die Dozenten ihr Wissen, versehen mit Anregungen und wertvollen Tips für das  virtuose Spiel. Bei all den Unterrichtseinheiten wurde deutlich, dass die Naturtrompete eine andere Ästhetik als die Ventiltrompete hat. Eine gut ausgebildete Singstimme des Spielers scheint der Formung der Töne sehr zuträglich zu sein. Während auf den Ventiltrompeten die Arbeit mit der Luft die Hauptrolle spielt, ist es bei der Barocktrompete mit ihrem enormen Farbenreichtum, das „Mundwerk“. Sie verzeiht nicht den geringsten Ansatzfehler.

Parallel zu den Workshops lief eine Instrumentenausstellung in Räumen der Musikhochschule. Die Trompetenbauer Egger (Basel), Münkwitz (Rostock), Raquet (Bamberg), Neubauer (Nürnberg), Nicholson (Den Haag), Serafinoph (USA), präsentierten eine Auswahl ihrer neuesten Meisterstücke mit Drei- und Vierlochsystem und Instrumenten in der ursprünglichsten, der lochlosen Variante. Für die Musiker ergab sich so die einmalige Gelegenheit mehrere Instrumente verschiedener Hersteller vor Ort auszuprobieren.

In Vorbereitung auf das Abschlusskonzert waren am letzten Tag von 10 bis 13 Uhr Proben angesetzt, zunächst nocheinmal an der Musikhochschule. Am Nachmittag traf man sich dann schon im Historischen Rathaussaal, wo am Abend das abschließende Konzert „Trompetissimo II“ stattfinden sollte. Eigens hierfür war das Ensemble „Andamento“ vom Königlichen Konservatorium Den Haag angereist. Desweiteren verstärkten Studenten der Musikhochschule Nürnberg die Teilnehmer der Workshops und Meisterklassen.

Zusammen konnte man die breite Palette „Alter Musik“ zu Gehör bringen. Mit von der Partie waren bspw. auch ein Countertenor und ein Bariton. Zusätzlich zu den Barocktrompeten kamen das Fagott, Violine, Violoncello, Viola, Viola da gamba, Cembalo, und Blockflöten zum Einsatz. Vorgetragen wurden unter anderem Werke von Barholomäus Riedel „Aufzug für 8 Trompeten und Pauken in C“- Johann Sebastian Bach „Overtüre aus der Partita Nr. 4 in D“ - Valentin Rathgeber „Sonata in D für 2 Trompeten, Streicher und Basso Continuo, oder auch Georg Friedrich Händel „aus Or la tromba: Battaglia“. Mit einem eindrucksvollen Konzert, gekrönt mit solistischen Einlagen durch die leitenden Dozenten Ute Hartwich, Jean-Francois Madeuf und Susan Williams, klangen die Tage Alter Musik aus.

Den Verantwortlichen ist es gelungen, mit einer derartigen Veranstaltung, auf die reiche musikgeschichtliche Vergangenheit  aufmerksam zu machen und Nürnberg als Musikhochschulstandort mit der ergänzenden fachlichen Ausrichtung  „Alte Musik“ stärker zu etablieren.

In seiner Verabschiedung verwies Herr Hartwig Groth auf das Schwerpunktthema des kommenden Jahres „historische Tasteninstrumente“, bedankte sich bei allen Teilnehmern des Symposiums und hob die Förderer der Veranstaltung, die Nürnberger Versicherungsgruppe, die Stadt Nürnberg, den Bezirk Mittelfranken und das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst hervor.

27.06.2009

www.hfm-nuernberg.de

Hochschule für Musik Augsburg/Nürnberg

Musikalisches

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