Rezepte für eine spannende Musikprobe
Ideenlose Dirigenten sind Gift für die Motivation. Denn eine langweilige Musikprobe bedeutet ein langweiliges Vereinsleben. Der Schweizerische Blasmusik- Dirigentenverband zeigte an einem Seminar in Bern auf, wie die Probe zum Erlebnis wird. Die Musikprobe ist das zentrale Ereignis im Vereinsalltag. Denn die meiste Zeit im Alltag eines Musikvereins wird nicht konzertiert, sondern geprobt.
Der Vereinsalltag muss also möglichst spannend gestaltet werden, wenn die Musikantinnen und Musikanten ihre Freizeit weiterhin für die Blasmusik einsetzen sollen - und das tun in der Schweiz Woche für Woche über 80'000 Personen. Für dieses Erlebnis nehmen die Musikantinnen und Musikanten einen „grossen Eingriff in ihre Freizeit" in Kauf, wie Referent Urs Heri ausführte.
Eine Probe ist intensive Arbeit
Daniel Bichsel (Prêles) zeigte mit der Regional Brass Band Bern, die er seit 1998 erfolgreich leitet, wie eine Musikprobe packend gestaltet werden kann. Bichsel sprach dabei nicht zu den über 120 Seminarteilnehmern, sondern führte vor Publikum eine „ganz normale Probe" durch - mit dem Resultat, dass die Anwesenden sofort die Intensität der Probenarbeit spürten. Ebenso wurde klar, was Urs Heri (Deitingen) vorgängig mit seiner Aussage gemeint hatte, an der Gesamtprobe müsse der Dirigent über Klang, Phrasierung, Probleme des Zusammenspiels und Artikulation reden statt viel Zeit mit Fingertechnik zu verlieren. Diese ist Hausarbeit, weil eine technisch schwierige Stelle langsam und von Grund auf aufgebaut werden muss.
In der praktischen Arbeit von Daniel Bichsel wie im Referat von Urs Heri war offensichtlich, dass die Probe ein Erlebnis sein muss - und nicht etwa Spass. Der Spass soll zwar nicht zu kurz kommen, die Probe kann aber durchaus auch harte Arbeit bedeuten. Daniel Bichsel ist Musiklehrer an den Musikschulen Berner Jura und Burgdorf. Urs Heri, früher auch Dirigent der Stadtmusik Bern, leitet heute die Musikgesellschaft Harmonie Rain und die Harmoniemusik der Stadt Zug. Er ist Musikschulleiter und Komponist.
Neue Formen der Kommunikation
In seinem Referat stellte Heri unter anderem sein System der lang-, mittel- und kurzfristigen Planung vor. Zur Langfristplanung gehört beispielsweise der Probenplan. Heri plädierte dafür, den Probenplan zu verdichten, indem nach einem grossen Anlass eine mehrwöchige Pause eingelegt wird, vor dem Anlass aber Probenwochenenden, Intensivwochen oder zusätzliche Proben durchgeführt werden. Früher war es dagegen normal, dass ein Verein das ganze Jahr hindurch jede Woche zwei Proben hatte. Die Gestaltung des Probenplans könne einen grossen Einfluss auf das Interesse der Jungen haben, die sich nicht mehr so stark binden wollten, Projektarbeit aber nicht abgeneigt sind. Das Interesse der Mitglieder steigt auch, wenn Heri auf Grund seiner Mittelfristplanung per E-Mail ankündigt, welche Hauptwerke in welcher Probe geübt werden.
Heri plädierte sodann dafür, in der Probe die Detailarbeit und das Durchspiel von Musikstücken zu mischen. Abgewechselt werden könne auch zwischen ruhigen und hektischen Werken, zwischen der Arbeit mit einem Register und dem Gesamtklang - mit dem Ziel, niemanden zu lange warten zu lassen. Der Ablauf müsse auf jeden Fall spannend gestaltet werden: „Die Probe muss ein Erlebnis sein wie ein Konzert."
Die Musik spüren
Die Leute sollten erleben, wie ein Musikstück besser klingt, wenn ein grösserer Bogen entsteht. „Musik löst Gefühle aus", betonte Heri. Die Musikantinnen und Musikanten sollten fühlen, wie ein Werk kompakter klingt, wenn alle gleichzeitig atmen. Und sie sollten spüren, wie man als Ensemble dank der gemeinsamen Arbeit innerhalb eines einzigen Abends weiterkomme. Allerdings, so Heri, nützten sich die Mittel aus seiner Rezeptsammlung rasch ab, weshalb möglichst abwechslungsreich geprobt werden solle. Ton- und oder Bildaufnahmen einer Probe könnten da ein „heilsamer Schreck" sein.
Der Schweizerische Blasmusik-Dirigentenverband zählt rund 1400 Mitglieder. Er setzt sich für die Weiterentwicklung des Blasmusikwesens ein und fördert die Weiterbildung seiner Mitglieder. Präsident ist Alfred Fischer (Brienz).
Theo Martin
Legende: Daniel Bichsel probt intensiv mit der Regional Brass Band Bern. Bild: zvg





