Peter Herbolzheimer gestorben
Es ist noch gar nicht so lange her, dass Peter Herbolzheimer im Gespräch mit clarino.print verriet: »Ja, es stimmt und es ist auch heute noch so, dass ich in der privaten Atmosphäre meines Bades grüble, arbeite, entwickle und Entscheidungen treffe, ja sogar komponiere und arrangiere.« Viel sagt das aus über den »als großen Künstler und glühenden Verfechter geschmackvoller wie handwerklich gut gemachter Musik auf hohem Niveau«, wie Musikratspräsident Martin Krüger würdigte. Der langjährige Leiter des Bundesjazzorchesters, Peter Herbolzheimer, ist tot. Er starb am 27. März im Alter von 74 Jahren in einem Kölner Krankenhaus.
Mit Herbolzheimer verliert der Big-Band-Jazz einen der ganz Großen des internationalen Musiklebens. Die europäische Jazzgeschichte prägte und beeinflusste er als Musiker, Komponist und Arrangeur gleichermaßen.
Der am 31. Dezember 1935 in Bukarest geborene Herbolzheimer ist dem breiten Publikum vor allem durch Auftritte in Fernsehsendungen wie »Bio's Bahnhof« und »ZDF Jazzclub« bekannt geworden. Mit seiner »Jazz-Gala«, bei der er die damals bekanntesten amerikanischen Jazzkünstler begleitete und präsentierte, spielte der Absolvent des Nürnberger Konservatoriums in ganz Europa.
Herbolzheimer galt als einer der profiliertesten Bigband-Leader Deutschlands. 1969 gründete er die Bigband »Rhythm Combination and Brass«. 1977 initiierte er eine »Jazz Gala«-Tournee unter anderem mit Gary Burton und Clark Terry. Aus seiner Feder stammte auch die Musik für die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 1972 in München. 1978 gewann er den Großen Deutschen Schallplattenpreis für die LP »Touch Down«. Als der Deutsche Musikrat 1987 das Bundesjazzorchester (BuJazzO) zur Spitzenförderung des Jazz-Nachwuchses gründete, gab es für die künstlerische Leitung keine Alternative zu Herbolzheimer. Er sei als lenkender Geist des BuJazzO ein Glücksfall gewesen, erklärte Musikratspräsident Krüger. 20 Jahre lang stand Herbolzheimer an der Spitze des Orchesters, bevor er 2007 die Leitung abgab. Er ebnete zahlreichen Künstlern den Weg, darunter Till Brönner, Roger Cicero, Peter Weniger oder Michael Wollny. Herbolzheimer, der zunächst Gitarre spielen lernte und mit 24 Jahren zur Posaune wechselte, erhielt für seine Verdienste unter anderem den Musikpreis der Stadt Frankfurt, den Großen Deutschen Schallplattenpreis, die Goldene Schallplatte und das Bundesverdienstkreuz am Bande.
»Schall und Rauch ist ohne langen Bestand«, meinte Peter Herbolzheimer im clarino.print-Gespräch. »Qualität, ob beim Interpreten oder bei Witz, Charme und musikalischem Gehalt der Musik, überlebt in vielen Facetten. Musik ist verpflichtet, sich dauernd zu ändern, zu entwickeln und zu suchen. Gehaltvolle Musik wird immer Bestand haben, Hochwertiges bleibt immer präsent, auch mit Wiedererkennungswert.« Er meinte damit nicht unbedingt nur seine eigene Musik, doch die Musik von Peter Herbolzheimer erfüllt die Kriterien. Sie wird weiter leben.





