Deutsch-japanische Begegnungskonzerte waren Erlebnis
Aus dem Staunen nicht heraus kamen die zahlreichen Zuhörer, die am vergangenen Freitag (28.10.08) den Weg in die Gedächtniskirche in Speyer fanden oder den sinfonischen Blasorchestern aus Okazaki, Brühl und Otterstadt am Samstag (29.10.08) in die Dreifaltigkeitskirche nach Worms folgten. Die Darbietung des Blasorchesters der Hikarigaoka ('Auf dem Sonnenhügel') Mädchenschule und der rund 140 Musiker des Begegnungsorchesters im Anschluss riss das Publikum an beiden Tagen zu wahren Begeisterungsstürmen hin. Es war einfach ganz wunderbar wie die 16- bis 18-jährigen japanischen Schülerinnen und das deutsch-japanische Begegnungsorchester musizierten.
'Auf höchstem Niveau' ist das Prädikat das diesem Konzerterlebnis gerecht wird. Schlicht uneingeschränkt beeindruckend und ein wahrer Hörgenuß waren Zusammenspiel und Intonation der sympatischen jungen Damen der 'Hikarigaoka Girl High School Band' unter der Leitung von Kentaro Hino und Yasuyuki Kagawa. Auf den Leib komponiert dann auch das Arrangement der Toccata und Fuge d-Moll von J.S. Bach, deren wuchtige Akkorde zu Beginn sich glänzend in die stattlichen Sakralbauten einfügten. Alle Einsätze und Pausen in höchster Präzision. Danach gleitet jeder Lauf, jeder Triller in atemberaubender Trennschärfe leicht in die Ohren des unmittelbar gefesselten Publikums. Selbigen nicht trauend erleben die bereits jetzt hoffnungslos dem Orchester verfallenen Zuhörer im Eingangsteil von 'Bells for Stokowski' (M. Daugherty) ein wahres Inferno aus Klängen und Glocken. Schwerstarbeit für die zierlichen Schlagwerkerinnen. Der Gong ist kaum verhallt, da wiegen die Holzbläser im mittelalterlich tänzerisch anmutenden Zwischenteil in Sicherheit, bevor harte Bläsersätze gleich jede Hoffnung zunichte machend die Luft zerschneiden. Nun verwirren und entwirren Hino und die jungen Musikerinnen gekonnt, ohne sich zu verirren, Schicht um Schicht dieses komplexen Werkes, um dann unter dem Geläut der Glockentürme und im Stile einer riesigen gothischen Orgel sicher dem Finale entgegenzusteuern. Großartig! Schon jetzt hält es die Zuhörer nicht mehr auf den Plätzen. In Speyer noch an zweiter Stelle der Stückfolge tauschte es in Worms seinen Platz mit 'Vilia' aus der trotzdem noch lustigen Witwe von von Franz Lehár. Hier läßt Dirigent Yasuyuki Kagawa die Töne entspannt fliessen, die Ohren dürfen entspannen. Nach dem netten 'Wachet auf' von J.S Bach schmettern Solisten und Orchester dem Publikum wie von einer Last befreit, fast ausgelassen Ihre 'Malaguena', erneut unter der exzellenten Leitung von Yasuyuki Kagawa entgegen und natürlich fliegen ihnen erneut alle Sympathien zu. Ole! Das Publikum ist aus dem Häuschen. Damit dieses auch nicht mehr dahin zurückfindet stellte Kentaro Hino das Programm in Worms noch einmal um und gab im zweiten Konzert 'September' von Earth, Wind & Fire den Vorzug vor 'Memory', dass dort als Zugabe zu hören war. Ausgelassen klatschend, das Publikum anheizend und mit einer klasse Choreographie tanzten, sangen (!) und spielten sich die Mädchen immer tiefer in die Herzen der Zuhörer. Auch wenn diese Stücke noch einen Tick mehr gegroovt hätten, die Begeisterung wäre schwerlich zu steigern gewesen!
Nach einer kurzen Umbaupause wurden nun die Musiker der sinfonischen Blasorchester Brühl und Otterstadt in das Gastorchester aus Japan integriert. Alleine der Anblick der rund 140 Künstlerinnen und Künstler aus Japan und Deutschland war das Kommen wert. Doch was für eine schweres Erbe musste nun das Begegnungsorchester und die Dirigenten Bernhard Vanecek (SBO des Musikvereins Otterstadt) und Tobias Nessel (SBO der Brühler Bläserakademie) antreten. Sanft verführte dann noch einmal Kentaro Hino den gewaltigen Klankörper zu einer eleganten, fast zärtlichen Interpretation der Blasorchesterversion des japanischen Kinderliedes 'Akatonbo'. Über die einzige Weltsprache haben die sonst getrennt probenden drei Orchester spätestens beim Wormser Konzert zu einem homogenen und im Detail klaren Klang gefunden. Vom Virus Musik infiziert steigerten sich bei der Hymne 'Slava' (N. Rimsky-Korsakov), unter der Leitung von Tobias Nessel, strahlende Trompeten und Orchester zu einer höhenswerten Gemeinschaftsleistung und ließen den jungen Maestro beim verdient langen Applaus strahlen. Expressiv dann Bernhard Vanecek in seinem Dirigat von Sedona, einer Hyme über die Weite und die Landschaften Arizona mit Filmmusikqualitäten. Im Gegensatz zu seinen Haaren folgte das Orchester Vanecek großartig über Berg und Tal, schweigt wo die Natur es auch tut, so daß der furiose Schluss zurecht nahtlos in den aufbrandenden Schlußapplaus übergeht.
Ein wunderbarer Schlußpunkt eines großartigen Konzertes das, schaut man in die Gesichter, Teilnehmer wie Zuhörer gleichermaßen verzaubert hat. Mit einem japanischen Volkslied und nochmal Malaguena endet das außergewöhnliche Konzerterlebnis dann entgültig. Ein besonderer Dank geht dabei an Dekan Jacob (Speyer) und Dekanatskantorin Ellen Drolshagen (Worms) für die Überlassung der wunderbaren Konzertkirchen, sowie an Hagen Bleeck und Lily Nagaosa-Bleeck, den Initiatoren dieser Begegung. Die Beteiligten haben nun den geplanten Gegenbesuch an Ostern 2010 fest im Blick!





